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Carretera Austral – Von Coyhaique nach Futaleufú

February 16, 2010

Moooin 🙂

immernoch angenaesst, mit schlaefrigen Augen und beginnenden Muskelkater sitz ich hier im Internetcafe in Futaleufú.
Futalewas?
Futaleufú – Gesprochen Fu-ta-leh-fuu – liegt nahe der argentinischen Grenze etwas suedlich des Seengebiets in Chile und Argentinien. Die Carretera Austral habe ich hier schon verlassen. Was? So schnell ging das? Noch vor ein paar Monaten hab ich mir die Carretera Austral als einsamen Feldweg durch den Regenwald vorgestellt. Das ist auch das was jeder erzaehlt. In Wirklichkeit ist es ein Feldweg durch den Regenwald. Allerdings anders als man es sich vorstellt 🙂
Die Geschwindigkeit mit der sich die Landschaft (und damit die genialen Aussichten) aendern sucht nur so ihres gleichen. Im 20 Minuten Takt hat man teilweise einen 100%igen Wandel. Von zerkluefteten Bergen mit haengenden Gletschern und Schneefeldern ueber grenzenlose Weiten mit verbrannten Baeumen, Kuehen und Schafen bis hin zu tiefstem Regenwald mit 2-meter-Durchmesser Nalca Pflanzen am Strassenrand und wilden Geltscherbaechen, die an bzw. unter der Strasse entlangrauschen.

Von Coyhaique, dem kleinen Oertchen, in dem ich einige Tage verbracht habe, bin ich in einem 2-Tages-Trip nach Futaleufú gekommen. In Coyhaique hatte ich extremes Glueck. Bin an diesem Tag insgesamt mit 3 Leuten getrampt und hab insgesamt etwa 5 MInuten Wartezeit gehabt 😀
Von Coyhaique gings mit einem Kleinunternehmer bis an eine Kreuzung ab von der Carretera Austral (die hier geteert ist! Woohooo 🙂 ), dort wurde ich von einem Strassenbauingenieur bis an die Kreuzung nach Puerto Cisnes mitgenommen. Hier wird der Strassenbelag deutlich steiniger und schmaeler 🙂 Kurz: Der Teer hoert auf und die Strasse verengt sich zu einem 2,20m Feldweg durch den Regenwald. An der Kreuzung standen bei meiner Ankunft zwei LKWs und haben Ladung umverladen und der eine hat mich sofort mit nach Puyuhuapi genommen. Puyuhuapi ist eigentlich sehr nett. Gegruendet in den 40er Jahren von 4 Deuschen Auswanderern war es seeehr lange nur per Boot (wenn ueberhaupt) erreichbar. In den 80ern wurde es dann mit der Carretera Austral an die befahrbare Aussenwelt angeschlossen. Der komplette Strassenbau per Hand. Ohne Maschinen o.ae.
In der “Townhall” haengen sehr viele Fotos der ersten Gebaeude udn EInrichtungen. Viel ist nach Deutschen benannt. Otto Uebel, einer der Gruender, hat seine eigene Strasse 🙂
Zusaetzlich gibt es den Queulat Glaciar Colgante, einen “haengenden” Geltscher, den man sogar beim vorbeifahren an der Strasse oberhalb in den Bergen sehen kann. Tolles Schauspiel!
Glaciar Colgante

Heisse Thermen gibt es auch, aber einige km ausserhalb vom Oertchen und zu teuer fuer mein Budget 🙂 Eigentlich wollte ich an dem Tag noch weiter nach Norden, aber hab in der Touriinfo eine Hollaenderin und eine Schweizerin kennen gelernt und mich beim Mate und Palta-Brot (Palta = Avocado – chilenische “Nationalfrucht” 😉 ) verquatscht und dann beschlossen zu bleiben. Netten Abend gehabt im Hostel mit ein paar Litern Gato negro – (dem wohl besten Tetrapakwein den ich je getrunken habe), Fertignudeln und einem deutschen Paerchen aus Jena, die ein halbes Jahr in Suedamerika unterwegs sind. Total Planfreaks 🙂 Hatten ihren halben Urlaub schon auf den Tag genau mit Budget und Fluegen/Bussen durchgeplant. Sehr liebenswuerdig aber zu durchstrukturiert fuer meinen Geschmack 🙂

AM naechsten Tag gings von Puyuhuapi zaehfluessig Richtung Futaleufu. Hatte erst ueberlegt der Carretera Austral weiter nach Chaitén zu folgen, wo 2008 der fuer inaktiv gehaltene Vulkan mit dem gleichen Namen ausgebrochen ist und das komplette Doerfchen mit 1m Asche eingedeckt hat. Alle Einwohner wurden damals evakuiert, einige sind aber wieder zurueckgekehrt und leben nun aus Protest weiterhin dort. Protest gegen die Regierung, die das Staedtchen einige km nach Sueden “verlegen” will. Strom gibt es wohl nur aus dem Generator und fliessend Wasser ist auch nicht vorhanden.
Haette das gerne gesehen (und evtl mal auf den Vulkan hochgestiegen) , aber hin- und wegkommen ist wohl etwas problematisch dort 🙂
VOn daher gings nach langem Warten (3h) und Treffen eines Israelis (der sich gleich wieder angeschlossen hat) mit einer chilenischen Familie nach Futalaeufu. Sehr sehr nette Menschen aus Viña im Nordwesten Santiagos.

Ido, der Israeli, ist mit den 5 chilenen noch weiter ueber die argentinische Grenze nach Esquel gefahren, ich bin in Futaleufu geblieben und hab nach kurzem Suchen eine Agencia zum Raften gefunden (eine der zehn :D). Kunden duerfen im “Garten” campen und kostenlos Kueche und Bad benutzen. Perfekt 🙂
Abends wurde ich von Carina, einer Kanadierin, und Athuro, einem Peruaner, auf eine Kayak-und-Rafter-Party im Ort mitgenommen. Geburtstagsparty eines der Guides. Seeehr coole Leute 🙂 Um halb 4 bin ich mich an den Sternen orientierend durch die tiefschwarze Nacht zu meinem Zelt gewankt 😀

Am naechsten Tag gings Raften auf dem Rio Futalaeufu, einem der weltberuehmtesten Fluesse zum Raften und Kayaken. Stromschnellen Level 5+. Heftig! 🙂
Das Raften war, ob wohl teuer, sehr cool. 2m hohe Wellen durch die man da durchfluegt. Zu 7 in der balsa – dem Schlauchboot – kann einem aber eigentlich nichts passieren. Umfallen ist schon seeehr schwer mit gutem Guide, rausfallen schon leichter 😀

Hab am Abend beschlossen am Tag darauf einen Kayakkurs zu machen. Mit Carina, der Kanadierin (95% der Guides in Futaleufú sind nicht aus Chile) gings erst auf einen fast stehenden Flussabschnitt des Rio Espolon um die Grundkenntnisse aufzufrischen bzw. erst mal zu lernen. Rudern, Ausglecihen, Rollen. Das mit dem Rollen hat gut geklappt. Nach 10 Minuten konnte ich Rollen. Mit dem Rest hatte ich mehr PRobleme 😀 Normal ist das wohl andersrum. Nachmittags gings den Rio Espolon runter durch ein paar kleine Stromschnellen.

Am Tag darauf war Carina leider busy. Ich han am Vormittag etwas in der Agencia geholfen udn Transportfahrer gespielt. 4×4 Jeep mit Anhaenger und 3 Schlauchbooten durch die Gegend gekarrt und Gaeste aufgesammelt. Dafuer bin ich am Nachmittag mit zur “Lodge” einem sehr netten Haeuschen das den Eigentuemern gehoert und an dem die Rafter starten udn wieder ankommen. Hier hab ich mit meinem kayak in einem Eddy – einem Flussteil hinter einem Stein/Baum o.ae. wo es kaum bzw. keine Stroemung gibt – meine Rolle geuebt. 2 Stunden lang…. mindestens 100 Rollen. Irgndwann war mit schwindlig 🙂

Gestern hatte ich meinen zweiten vollen Kayaktag. Nach chaotischem Start ging es wieder zum Espolon. Nachmittags kamen ein paar – fuer meine Verhaeltnisse – richtig krasse Stromschnellen. Level 2+.
Nach 2 1/2 Tagen nur im kayak und 1000 neuen Informationen war mein Kopf aber einfach voll. Vielleicht auch einfach nur voll Wasser 😀 Insgesamt bin ich 3 mal schwimmen gegangen, weil ich die “Combat Rolle” nicht auf die reihe gebracht habe. Combat ROlle ist die Rolle in Stresssituation, also nicht im easy ruhigen Gewaesserchen in dem man sich gut auf alles einstellen kann und konzentriert die Position einnehmen kann, sondern zwischen 1m- hohen Wellen, Steinen, den Mund teilweise voll Wasser und das Paddel (das man zum Rollen braucht) irgendwo, aber nicht da wo man es haben will. Die letzte und schlechtestes Moeglichkeit, wenn man wirklich nicht mehr mit dem Kopf aus dem Wasser kommt ist der Wet-exit. Raus aus dem Boot. Dann ist man zwar innerhalb von wenigen Milisekunden ueber Wasser aber es gilt das Boot, das Paddel und sich selbst zu retten bzw. retten zu lassen. In langen Stromschnellen eine schwere Angelegenheit, da man ein ruhiges PLaetzchen finden muss zum entwaessern udn wieder einsteigen. Und es ist nich so dass nach ejder Stromschnelle ein ruhiger See kommt. Nein, die gehen immer weiter 🙂

Im Endeffekt also ein seeehr intensiver Tag. Mit viel Wasser, aber tollen neuen Erfahrungen. Ich werde es auf jeden Fall weiter probieren. Das Rollen udn das Kayaken. Aber jetzt erst mal ein paar Tage Pause 😀
Hab heute Nacht sogar vom Rollen getraeumt. In Stromschnellen, wenig Luft in der Lunge und das Paddel an der falschen Stelle. Konzentrieren, Paddel parallel zum Boot, den Kopf auf den Spritzschutz. Paddel um 90 Grad drehen und mit Hueftkick aus dem Wasser raus. Das wichtigste (und mein groesster Fehler): den Kopf als letztes aus dem Wasser, sonst klappt es nicht….

Soviel zur Kayak-theorie 🙂
Ich kauf mir jetzt ein leckeres Fruehstueck, Pack meine Sachen, bezahl meinen Kayakkurs und stell mich dann an die Strasse um die 8-km-entfernte Grenze nach Argentinien zu ueberqueren. Hoffetnlich schaff ich es heute nach “El Bolson” oder “Bariloche”. In Bariloche will ich einen 5-7 Tages-Trek machen. Einen der schoensten Argentiniens angeblich. Mal sehen 🙂

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3 comments

  1. Kayaken ist geil. 🙂


  2. Hallo Benny,

    also diese Ortsnamen haben’s ja wirklich in sich!
    Wahre Zungenbrecher!
    Einer schlimmer als der andere!
    🙂
    Und dass Du lauter sehr sehr nette Menschen triffst, find ich ja klasse!
    So ist’s richtig!
    🙂
    Na, Du scheinst genug Spaß zu haben.
    Auch wenn der manchmal unter Wasser stattfindet.
    Hauptsache, Du kommst immer wieder hoch !!!!!
    Zum Ausgleich – wenn Du wieder mal im Lande bist – können wir ja mal ‘ne Tour auf der Wiesent oder Altmühl unternehmen. Da kommst Du auf jedenfall mehr zum Paddeln, auch wenn es wahrscheinlich nicht annähernd so spannend ist …. höhö.
    Ich hoffe ja nur, dass Du bis dahin Deine armen Füße wieder zum Leben erweckt hast 🙂 !
    Auf jedenfall bin ich mal auf ein paar Bilder vom Fluss gespannt, ob der wirklich so türkisgrün war???
    Gut, dass Du immer wieder aufgetaucht bist …
    Liebe Grüße und gute Weiterreise!
    Mama


  3. Hi Benny,

    ich nochmal.
    Hab grad in der Botanik gestöbert,
    also so ein gepresstes Nalca-Blatt wär ein klasse Souvenir für mich ….
    😉
    Der Waaahnsinn!

    Mama



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