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Caretera Austral – Villa O´Higgins nach Coyhaique

February 10, 2010

Ueber die Carretera Austral hab ich ja glaube ich schon mal ein paar Worte verloren. Sie wurde 1976 von der damaligen chilenischen Regierung angefangen zu bauen und erst im Jahr 2003 fertig gestellt. Eine ziemlich genial eStrasse. Meistens besteht sie nur aus Schotter, durch Regenwald, freigesprengte Felsen vorbei an tuerkisblauen Fluessen und Seen. Bei uns wuerde die Strasse nicht mal als ordentlicher Feldweg duchgehen :).
Teilweise passt nur ein Auto von der Breite her auf die Strasse. Bei Gegenverkehr muss improvisiert werden. Dann gehts im Schneckentempo aneinander vorbei um sich nicht gegenseitig gegen die Steilwand bzw. den Abgrund zu draengen.

In Villa O´Higgins, dem suedlichsten Ende der Carretera Austral bin ich vor einigen Tagen gestartet. Von dort ging es im Bus nach Caleta Torel, einem kleinen Ort, der keine Strassen besitzt. Alle Hauser sind auf/an Stegen gebaut. Am oberen Ende des Doerfchens gibt es einen “Grossparkplatz” auf dem etwa 25 Autos Platz haben. Von dort muss man laufen und viele viele Treppen steigen. Das ganze ist an einer schoenen kleinen Bucht gelegen mit steilen Haengen aussen rum. Patagonische Fjordlandschaft. Konrad, Claudi, Orfi und ich (allesamt Deutsche 🙂 ) haben uns nach langer Quartiersuche in einer Hospedaje fuer eine Nacht eingemietet. Nicht gerade freundlich die Hauseigentuemerin, aber das gehoert auch dazu. (“Gekocht werden darf in de Kueche, aber danach muss man sofort ins andere Zimmer. Die Kueche gehoert ihr, das andere Zimmer ist fuer die Touristen”)
Temperaturmaessig war wie in Patagonien gewohnt sehr kalt udn regnerisch. Eigenltich regnet es immer. Mal nieselt es nur und die Sonne kommt etwas durch, mal giest es nur so aus Eimern. Dazu eisige Winde, die vom im Westen gelegenen Inlandeis mit seinen hunderten von GLetschern herueberzieht.

Am naechsten Morgen wollten wir nach Cochrane trampen, da von Tortel nur nachmittags einer der seltenen Busse dorthin fuhr, Claudi und Orfi aber am Nachmittag des darauffolgenden Tages ihren Flug nach Buenos Aires von Perito Moreno nehmen mussten. Ein Staedtchen das immernoch seeehr weit weg lag. Daher so bald wie moeglich in die Naehe der Grenze nach Chile Chico.
Nach einem kurzen “ride” in einem chilenischen Wohnmobil bis zur Kreuzung zur Carretera mussten wir geschlagene 4 Stunden in der Eiseskaelte und Regen warten bis uns schliesslich ein Schafstransporter hinten im LKW mitgenommen hat. Dort haben wir auch drei brasilianische Radler angetroffen, die wir schon in OHiggins getroffen hatten. Die guten sind ohne einen Penny Bargeld nach Chile gekommen und haben icht bedacht, dass es dort keine Geldautomaten gibt. Cochrane ist das erste Staedtchen mti Geldautomat und der akzptiert lediglich Mastercard, die meisten haben jedoch VISA. Der naechste VISA Automat ist in Coyhaique, mehrere hundert km noerdlich.

Nach einer kurzen Nacht in Cochrane ging es am naechsten MOrgen mit dem Bus weiter nach Chile Chico. Wunderschoene Landschaften entlang des Rio Baker, einem tuerkisfarbenen Fluss, richtung Norden zum Lago General Carrera, dem zweitgroessten See Suedamerikas (nach dem Titikakasee). In Chile Chico herrscht ein eigenes Mikroklima. Im Gegensatz zum typisch patagonischen Klima herrscht hier Sonne und Sommerwetter. Im Tshirt rumlaufen war hier kein Problem 🙂
Das Wetter spielt dieses Jahr allerdings auf der ganzen Welt verrueckt. Waehrend in Deutschland das Schneechaos herrscht, regnet es hier so viel wie schon lange nicht mehr. Die Einheimischen beschweren sich ueber weniger Touristen und auch in Chile Chico, der “Fruchthochburg” wurden anscheinen viele Ernten vom Wetter versaut.

Claudi und Orfi haben, nach einer perfekten Punktlandung unseres Busfahrers, noch perfekt ihren Flug nach Buenos Aires bekommen und sind mitlerweile schon wieder im eisigen Muenchen. Um 10 ging der Bus und er meinte wir sind um 2 in Chile Chico. Um 13:56 sind wir dort eingetrudelt, um 14:00 ging der Bus nach Perito Moreno. Das ist mal Timing. Leider blieb daher wenig Zeit zum Verabschieden der beiden….

Konrad und ich wollten am naechsten Tag mit der Faehre ueber den See fahren um weiter nach Norden zu reisen. Pustekuchen. Faehre war fuer die naechsten 4 Tage ausgebucht. Auch gut, dann eben per Anhalter wieder zurueck nach Westen zur Kreuzung mit der Carretera um von dort nach Norden weiterzufahren.
Auch hier mussten wir am naechsten Tag lange warten. Nachdem wir einige Km mitgenommen wurden mussten wir mitten auf der Strecke 4 Stunden auf den naechsten Bus warten. Der aber voellig ueberfuellt war. Leider der einzige der fuhr. Gluecklicherweise hat in dem MOment ein Chilene angehalten im leeren Pickup und uns 2 Ortschaften weiter gefahren, wo wir uns dann mit dem Bus verabredet haben. Der Busfahrer war einverstanden uns das restliche kleine Stueckchen (12km) mitzunehmen.
Aus dem Bus ausgestiegen (mit 2 Israelis die auch nach Norden wollten) und 25 Sekunden spaeter von einer Familie im LKW mitgenomen werden. Der komplette LKW war voll mit leña – Feuerholz – wir obene drauf. Dazwischen noch ein Huhn im Kaefig, das vor Angst nur so durch den Kaefig geflattert ist. 50 km gings bei eisigem Wind aber super Aussicht (und die Israelis hatten Bier dabei 🙂 ) am See entlang nach Puerto Rio Tranquilo. Dort gibt es eine schoene Marmorhoele am See rand. Leider haben Konrad und ich bemerkt, dass wir absolut kein Geld mehr haben und es gerade nochs o fuer die Unterkunft und den Bus am naechsten Morgen reicht. Auch gut… dann eben kein Marmor 🙂

Am naechsten MOrgen gings fuer mich ins etwa 100km entfernte Villa Cerro Castillo, das naechste Oertchen und “Sprungbrett” fuer einen 3-4 Tages trek zum angrenzenden Nationalpark Cerro Castillo. Der Cerro Castillo (“Castillo” heisst “Schloss”) trohnt ueber dem Oertchen – ein toller Anblick. Seinen Namen verdankt er den vielen zerkluefteten Zacken, die ihn wie eine Burg aussehen lassen. “Der schoenste Schutthaufen Patagoniens” wie ihn ein Trekkingfuehrer betitelt 🙂

Nach 3 Tagen durch die Gegend Irren, unzaehligen Abrutscher auf Steilhaengen und Gletschermoraenen bin ich wieder gut im Doerfchen angekommen. Aufgeschuerfte Haende und einer meiner Trekkingstecken musste dran glauben. Trotzdem eine seehr sehr schoene Gegend, auch wenn man sich nicht so auf die (schlechten) Karten verlassen sollte. 2 Leute hab ich waehrend der drei Tage getroffen. Deutsche natuerlich 🙂 ein etwa 60 jaehriges Ehepaar aus Hamburg, die ziemlich gut unterwegs waren 🙂 Machen 6 Wochen Wander- und Trekkingurlaub in Patagonien. 😉

Nachdem ich vergeblich versucht habe in einem der Busse nach Norden zu kommen (es fahren 1-5 Busse zwischen 10 und 16 Uhr. Wie und wann weiss keiner so genau und alle waren restlos ueberfuellt), hab ich mich etwas verzweifelt an die Strasse gestellt. Hatte genau noch 0,0 Cent in der Tasche, dafuer aber genug Essen, da ich fuer 4 Tage Trekkign geplant hatte. Keine 5 MInuten spaeter – ich hatte gerade meine TUnfischdose 1/4 geoeffnet – hat auch schon der erste CHilene angehalten und mich nach Coyhaique mitgenommen. Sehr coole Fahrt. Hat viel erzaehlt von Skitouren im Torres del Paine, Angeln und seinem Beruf als Winzer in Santiago. Er vertreibt die Weine in Europa und war daher schon sehr oft drueben.
DIe Carretera ist – aus welchem Grund auch immer – zwischen Cerro Castillo und Coyhaique geteert. Aber im super Zustand. Besser als jede deutsche Autobahn koennte man meinen 🙂 Daher sind wir mit 120 entlang geflitzt und haben auf dem weg 1-2 keuchend und aechzende Busse ueberholt 🙂

Seit vorgestern bin ich nun in Coyhaique, dem ersten groesseren Staedtchen mit mehr als 600 EInwohner seit 3 Wochen, und werde mich in wenigen MInuten an die Carretera begeben um weiter nach Norden zu reisen. Entweder nach Puyuhuapi, wo es einen haengenden Gletscher und beruehmte Thermen geben soll oder richtung Futaleufú, dem letzten Ord in Chile, bevor ich wieder nach Argentinien kreuzen will. Dort gibt es den Rio Futaleufú, einen fuers Rafting weltbekannten Fluss. Vielleicht goenn ich mir das mal, auch wenn es sehr teuer sein soll.

Bilder kann ich leider hier grad nicht online stellen, werd ich noch nachholen 🙂 Hoffe dort oben gibt es weiterhin Internet… und Geldautomaten 😉

Bis die Tage

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5 comments

  1. Moin Wichtel,
    super, mal wieder mit Dir zu skypen!!! Was würden wir nur ohne machen? Ich wünsche Dir noch viel Spaß in Deinen Zungenbrecherorten und freue mich auf die Bilder und die nächste ‘Mir geht’s gut’ Meldung!!!

    Gute Reise

    Dein Paps


  2. Hi Benny,

    Deine Schilderungen lesen sich wieder mal wie ein kleiner Abenteuerroman!
    Ein solcher Tag würde bei uns schon für 4 Wochen Spannung genügen. 🙂
    Im Endeffekt das Ganze dann noch mit 0 Cent in der Tasche zu genießen, ist wohl die Kunst.
    Wer hätte das gedacht, dass Geldautomaten dort so rar gesät sind.
    … na ja, Du hast es bewältigt.
    Stark!

    Viel Vergnügen beim Weiterreisen!

    Und pflege Deine Füsse 😉 !

    Alles Liebe,
    Mama


  3. Ich muss deiner Mama zustimmen. Wenn ich keine Kohle in der Tasche hätte, wäre ich nicht so glücklich… 😀

    Immer wieder geil, deinen Blog zu lesen.

    Gruß Wolfi


  4. hey großer,

    man, du hast aber auch irgendwie immer so ein glück. 😀
    man man man … schon mal dran gedacht ein buch mit all deinen stories zu schreiben!? 😉
    bin wirklich auf all deine bilder gespannt und deine geschichten dazu, wenn du wieder zu hause bist.
    lass es dir noch gut gehen und ich hoffe wir können bald mal wieder quatschen.
    viel spaß weiterhin und fühl dich gaaaanz arg gedrückt.

    die lern-gestresste bine^^

    p.s:ich hab heute nacht geträumt, dass du wesentlich früher nach hause kommst.. (so nächsten MO), aber keiner konnte mir sagen an welchem flughafen.. und auf einmal saß ich mit sölle, bolle, dir und noch ein paar anderen irgendwo am strand in südamerika. 😀 seeehr komischer traum.ich glaub das deuten wird schwer werden^^


  5. @Paps:
    Haha, zum Glueck sinds immer “mir gehts gut”-Meldungen 🙂

    @Mum:
    Die Fuesse… naja kein Kommentar 😀 Mein Rechter Fuss ist seit ein paar Tagen taub. Mal wieder 😀 Beim Kayakfahren hab ich komplett das Gefuehl verloren 😀

    Das mit dem Geld ist unstressiger als es klingt. Man fragt einfach nett, notfalls wuerden die Busfahrer einen auch bis zum naechsten Geldautomaten mitnehmen und sich dort erst bezahlen lassen 🙂

    @Wolfi:
    Schoen, dich immer wieder von deiner DA ablenken zu koennen 😉

    @Bine:
    Straende? Sowas gibts hier unten nicht 🙂
    Hast du als baldige Diplompaedagogin keine Traumdeut-Vorlesung? 😀



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