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Reisepläne

October 3, 2009

Hallo ihr lieben,

nach (gefühlter) Monate langen Abstinenz meinerseits auf dieser Seite hier mal wieder in kleines Lebenszeichen. MIr geht es gut soweit :)!

So das wars.
Machts gut und bis bald….

Nein, ein bisschen mehr schreib ich schon. Obwohl draußen auch wunderschön die Sonne scheint.
Es ist hier soweit alles in Butter. Die UNi läuft vor sich hin und schluckt doch ziemlich viel Zeit. Alle meine vier Kurse haben Gruppenarbeiten und Praktische “Hausaufgaben”. D.h. ca. jede zweite Woche muss allein oder in der Gruppe was ausgearbeitet oder vorgestellt werden. Wenn man am Wochenende nur unterwegs ist, wenig schläft oder bessere Sachen zu tun hat, stresst das doch ganz schön. Zusätzlich zum Freizeitstress (und den gibt es hier wirklich).

Letzten Samstag sind Johanna und Sabbl, zwei Wiwi-Alumni hier eingetrudelt und waren bis Dienstag in Buenos Aires. Geschlafen haben wir zu dritt in meinem Zimmer. Zwei Matratzen und eine Isomatte, wobei immer durchgewechselt wurde 🙂 Am Dienstag Abend sind sie mit dem Bus auf zu den Wasserfällen in Iguazu (im Norden. Dreiländerpunkt zwischen Paraguay, Brasilien und Argentinien). Vor 2-3 Tagen kam mal kurz eine SMS. “Hi Ben, wir brauchen dich. Haben beide Bauchschmerzen…” Da ist mir das Herz schon kurz in die Hose gerutscht. Die beiden sprechen “nicht ganz so gut” Spanisch und obwohl Touri-Pilgerpunkt kann man nie wissen. Beim weiterlesen kamm dann aber folgendes bei raus: “…haben beide Bauchschmerzen. Zu viel Essen und eine halbe Flasche Wein noch vor uns. Iguazu ist toll, Wetter blöd. Bis bald” 😉
Jetzt müssten sie eigentlich gerade auf dem Weg oder schon in Salta sein. Salta soll eine superschöne Gegend sein, in der man gut und gern 2 Wochen verbringen kann. Wenn man allerdings wie die beiden nur 3 Wochen hat, muss das eben schneller gehen. Es wird eigentlich von allem etwas geboten. Wüste, Stadt, Berge, Anden (fast wie Berge nur besser 🙂 ) usw…. Wouter (mein Mitbewohner) fährt am Montag für 2 Wochen nach Salta und hat sich vorher mit 5 kg Reiseunterlagen und Karten eingedeckt. Jede Region hier in Argentinien hat ein “Haus” in Buenos Aires in dem 3-5 Leute sitzen und darauf warten, dass Touris kommen, denen sie alle Infos geben können die es nur gibt. Und das ohne irgendwelche Reisen verkaufen zu wollen. Ziemlich gut 🙂

Vor lauter Reisen hin und her hat mich gestern auch die Lust gepackt und ich hab statt zu lernen einfach mal 5 Stunden Lonely Planet gelesen. Gar nicht so dumm 🙂 Bis jetzt hab ich das immer vor mich hergeschoben. (Vll sollte ich auch mal die BsAs-Sektion richtig lesen 🙂 ) Dachte immer im Flugzeug hätte ich genug Zeit, aber nach 4 Seiten hat mich die Lust verlassen.

Ich bin jetzt so richtig heiß auf Patagonien. Endlose Straßen durch endloses Nichts. So in etwa beschreibt es der Lonely Planet. Die meisten Straßen sind Dirt Roads und man sollte sicherheitshalber nicht alleine unterwegs sein und immer genug Benzin usw dabei haben. Busse fahren auch hier (wie im restlichen Land auch) regelmäßig, aber seeehr lange. Von Buenos Aires nach Ushuaya (die südlichste Stadt Argentiniens) sind es zwar “nur” knappe 3000 Kilometer aber ich glaube mit dem Bus ist man gute 3-4 Tage unterwegs. Mich lässt der Gedanke an eine Tour mit dem Motorrad immer noch nicht los. Abgeraten wurde es mir zwar, da es auch im Sommer in Patagonien richtig kalt werden kann (Tagsüber ca 10-20, nachts unter 0), aber es geht mir nicht aus dem Kopf. Habe hier auf der Suche nach Motorrädern einen Franzosen kennerngelernt, der im Dezember seinen Trip starten wird und sich hier eine Honda Falcon neu gekauft hat. Danach will er sie hier in Buenos Aires verkaufen.
Habe nur kurz mit ihm gesprochen, aber anscheinend ist es ein ziemlicher Stress, die Erlaubnis, Versicherung usw für ein eigenes Fahrzeug zu bekommen. Viel Papierkram und Bürokratie…
Werde mich die Tage mal mit ihm treffen und mich danach denke ich entscheiden.
Der Vorteil eines eigenen Motorrads wäre, dass ich frei bin und zu jeder Zeit an jeden Ort komme. Dirt roads sind zwar auch fürs Motorrad schwierig, aber viele Straßen in den Anden werden von Busen nicht befahren, da sie einfach nicht hoch kommen oder zu schmal sind. In manchen Gegenden gibt es auch einfach keine richtigen Straßen und auch keine Busse die fahren. Hier kommt man, so wie die Einheimischen, entweder nur mit eigenem Gefährt weiter, oder man trampt sich seinen Weg. In Patagonien ist das wohl ein ganz normales Fortbewegungsmittel. Auch Pferde werden dort immer häufiger, da sie etwas unabhängiger von befestigten Straßen sind 🙂
Argumente die gegen ein Motorrad sprechen sind einmal der Preis und der Aufwand für die Anmeldung, die kalte Temperatur in Patagonien und die Tatsache, das man sehr abhängig ist. Ich müsste die tausende Kilometer wirklich fahren. Man kann scih nicht einfach in einen Übernacht-Bus setzen und am nächsten Tag ist man 800 km weiter. ob ich das will ist aber auch die andere Frage….

Wie man sieht, bin ich grad ziemlich unentschlossen. Was mehr oder weniger feststeht ist aber die Route:
Will von Buenos Aires starten Richtung Süden an der Küste entlang nach Patagonien. Je nachdem wie dort die Lage und das Wetter ist würd ich gern einen Abstecher nach Tierra del Fuego – Feuerland machen. Trotz der riesen Landmassen sind dort glaube ich sehr viele Touris unterwegs. Diese Tatsache spricht schon fast wieder für ein Motorrad. Einfach den Leuten aus dem Weg gehen und abseits von rot- und grün-leuchtenden Deuter und North Face Jacken das Land und die Leute erleben.
Vom Südlichen Zipfel mit einem eventuellen Abstecher nach Ushuaia, der südlichsten Stadt Argentiniens – ich glaube sogar der ganzen Welt) will ich dann nach Westen in die Gletscher Gegend. Dort findet man den berühmten Petito Moreno (googlen! es lohnt sich! 😉 ), der auch das Titelbild des Argentinien-Lonely-Planet krönt. Von dort aus will ich im Prinzip am Fuß der Anden bzw. durch die Anden nach Norden, vorbei an den Gletschern, dem Cerro Torre, dem Lake-District wieder Richtung Mendoze und Santiago de Chile. Von dort will ich weiter nach Salta, mit eventuellem Abstecher nach Chile, und weiter nach Norden Richtung Bolivien/Peru. Titikakasee, Cuzco, Lima, Machu Picchu, um mal so ein paar Worte in den Raum zu werfen 🙂

Wenn ich das so schreibe würde ich am liebsten morgen schon losfahren. Schau mich zur Zeit nach Zelten udn Schlafsäcken um. In Deutschland hab ich mir das nicht gekauft, weil ich dachte, dass es das hier sicher viel billiger in der gleichen oder ähnlichen Qualität geben müsste. Pustekuchen. Hier findet man alles von North Face bis über Salewa. Und das genauso oder noch teurer als in Deutschland. Nach 2 wöchiger Suche hab ich auch mal eine südamerikanische Marke ausfindig gemacht. Doite heißen die und kommen aus Chile. Die Qualität soll für die Verhältnisse hier super sein. Hab heute in einem Laden einen Daunenschlafsack für 180 nud ein Zelt für knapp 200 EUR gesehen. Ein Haufen Geld :/ Wenn ich den Trip so durchziehen will wie ich es vorhabe bleibt mir aber nichts anderes übrig. Da die Temperaturen in Patagonien wie gesagt auch im Sommer mit Leichtigkeit unter 0 Grad fallen können ist ein warmer Schlafsack schon nicht verkehrt. 😉

Naja… am Dienstag (nach meinen beiden Prüfungen) gehts erst mal für ein paar Tage nach Mendoza. Mendoza ist berühmt für seinen Wein und eigentlich jeder Wein den man hier in Argentinien kaufen kann (und es gibt verdammt viele… und gute 🙂 ) kommt aus der Gegend. Wenn alles kappt kommt Johannes und Maria (eine Schwedin aus der ITBA) mit und für brechen Dienstag abend um halb 10 auf. 12-16 Stunden Fahrt, je nach Bus- und Preisklasse. Für knapp 40 EUR ist man dabei 🙂 In Deutschland kommt man damit in der Bahn nicht mal 200 km weit. In Argentinien sind es knappe 1000. Sabbl und Johanna sollten zu dem Zeitpunkt auch irgendwo in der Gegend von Mendoza sein und werde versuchen die beiden dort zu treffen. Dann geht es je nach Lust entweder zu ein paar Trips in die umliegenden Anden oder nach Santiago/Chile, das nur weniger Stunden Busfahrt entfernt ist.
Ich muss spätestens am 15.10 wieder in BsAs sein (blöde Prüfungen 🙂 ), von daher werden es für mich wohl so 8-9 Tage werden. Bin echt gespannt und freu mich, endlich mal aus der Stadt rauszukommen und ein bisschen Andenluft zu schnuppern. Mendoza liegt auf gut 800 Metern aber drum herum gehen die Berge bis in die Tausende… 🙂

So genug geschwärmt, jetzt wieder zurück zur Realität 🙂
Mein Singlespeed lebt noch und ich auch. Was in dem Verkehr hier nicht ganz so natürlich ist 🙂 Werde morgen oder die Tage mal versuchen Wouters Kamera am Lenker zu befestigen und damit durch die Straßen fahren. Sonntags ist das ziemilch gut möglich, da die Stadt am Wochenende so gut wie ausgestorben ist. Da über 50% der Leute, die sich hier Werktags aufhalten Pendler sind, hat man das Gefühl das am Wochenende eine Panik ausgebrochen ist und alle die Stadt verlassen. Auf der 9 de Julio, der breitesten Straße der Welt tummeln sich, wenn man Glück hat 50 Autos und grundsätzlich haben alle Geschäfte (bis auf einige Läden und Supermärkte) geschlosen.

Werd die Tage mal ein paar Bilder vom Singlespeed machen. Hab es am Donnerstag morgen eingeweiht und bin zum Segeln gefahren. Nach 800 Metern hing die Kette auf einmal unten und das Kettenblatt war völligst verbogen. Ursache: Bei der Befestigung der Kurbel am Kettenblatt hat eine der drei Schrauben gefehlt. Hab das zwar vorher gesehen, aber als “unwichtig” abgestempelt. Denkste… Wenn ich ein paar mal kräfitg reintrete verbiegt es das komplette Kettenblatt (obwohl Campagnolo 🙂 ) und die Kette fällt einfach vom Ritzel.
Hab das gestern in einem kleinen Laden (der mich 3 Stunden Suchen gekostet hat 🙂 ) reparieren lassen und mir gleich noch eine zweite Bremse geholt. Hatte bis jetzt nur eine. Eine Vorderbremse, die außerdem noch so gut wie gar nicht funktioniert hat. Jetzt hab ich zwei. Die zweite funktioniert zwar nur minimal besser, aber das wird schon hinhauen. 🙂

So, jetzt hab ich wieder wahnsinnig konfus alles geschrieben, was mir gerade eingefallen ist und werde mich jetzt wieder meiner Lernerei witmen. 🙂 Heute auf dem Programm: Wirtschaftsethik 😉 Wie in so vielen Kursen in der ITBA wird hier sehr oft auf Europa, und manchmal auch Deutschland verwiesen. Im Endeffekt lern ich also fast mehr über Europa als über Südamerika 🙂

So machts gut und bis bald.
Ich freu mich über Mails zur Ablenkung des harten Lernalltags 🙂

Ben